Wenn die Schwangerschaft Gefahren birgt – Das Ehlers-Danlos-Syndrom

Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Lippe gibt Buch zum Ehlers-Danlos-Syndrom heraus. Seine Expertise ist bundesweit gefragt.

Detmold. Es war eine Zahl, die Dr. Andreas Luttkus, Chefarzt der Frauenklinik am Klinikum Lippe, vor 13 Jahren den Impuls gab, sich mit einer seltenen Erkrankung zu beschäftigen: 50 Prozent der Frauen mit einer bestimmten Form des Ehlers-Danlos-Syndroms (EDS), nämlich des vaskulären EDS, verstarben in der Schwangerschaft. „Dass die Hälfte der Frauen mit diesem speziellen Krankheitsbild in der Schwangerschaft unvermeidbar sterben, war für mich ein Grund zum Nachhaken“, erinnert er sich. Mittlerweile hat er die zweite Auflage seines Buches über das Ehlers-Danlos-Syndrom herausgebracht und behandelt EDS-Patientinnen aus dem gesamten Bundesgebiet in der Frauenklinik am Klinikum Lippe.

Gleich vorweg kann er beruhigen: „Die Zahl von 50 Prozent ist nicht mehr aktuell. Sie ist stark gesunken und in der Forschung sind wir jetzt viel weiter.“ Denn nur ein ganz spezieller Untertyp der vaskulären EDS sei wirklich dieser Gefahr ausgesetzt. Was aber steckt hinter dem Ehlers-Danlos-Syndrom? Es ist eine Bindegewebsstörung, die sich hauptsächlich durch eine Überdehnbarkeit der Haut und durch überbewegliche Gelenke zeigt. Insgesamt klassifiziert man heute sechs Haupt- und 13 Subtypen dieser Erkrankung. Die Ausprägungen sind sehr unterschiedlich: Einige Patienten führen ein relativ normales Leben, andere sind auf starke Medikamente angewiesen.

Und das Kinderkriegen? „Ist beim klassischen EDS-Typ kein großes Problem“, weiß Dr. Luttkus. Allerdings gibt es mehr Früh- und Fehlgeburten. „Daher kann eine Behandlungsoption ein operativer Muttermundverschluss sein, um eine späte Fehlgeburt oder eine extreme Frühgeburt zu vermeiden“ – ein Verfahren, das im Klinikum Lippe durchgeführt wird. Welche EDS-Form die Patienten haben, lässt sich mittels Gentest bestimmen. So kann eine Empfehlung im Zweifel auch lauten, besser keine Schwangerschaft zu riskieren, wenn man zu der in der Schwangerschaft stark gefährdeten Unterform des vaskulären Typs gehört.

Etwa einer von 5.000 bis 10.000 Menschen in Deutschland ist von EDS betroffen – eine sehr seltene Erkrankung also. Dr. Andreas Luttkus ist einer der wenigen Experten in Deutschland und erhält häufig Anrufe von Patienten und Ärzten aus dem ganzen Bundesgebiet, wenn es um das Thema EDS und Schwangerschaft geht. In seinem Buch „Das Ehlers-Danlos-Syndrom – eine interdisziplinäre Herausforderung“ bietet er Fachleuten und Betroffenen nun einen schnellen und exakten Überblick über Diagnostik und Therapie des seltenen und komplexen Krankheitsbildes.

Andreas Luttkus (Hrsg.): Das Ehlers-Danlos-Syndrom – eine interdisziplinäre Herausforderung, 2. Auflage, ISBN 978-3-11-047364-3, 167 Seiten, gebunden, 59,95 Euro.