System funktioniert, Patient profitiert!

Im Kreis Lippe gründen das Klinikum Lippe und das Ärztenetz Lippe eine gemeinsame Versorgungsgesellschaft. An der Schnittstelle zwischen den Sektoren sorgen Case Managerinnen hier für reibungslose Abläufe.

Detmold. Schon seit einigen Jahren wird in Ostwestfalen im Kreis Lippe (345.000 Einwohner) die Zukunft der medizinischen Versorgung erprobt. Dabei geht es weniger um Hightech und Einzelspezialisierungen, sondern um eine bessere Integration und Kommunikation an der Versorgungsgrenze – Faktoren, die im leistungsstarken deutschen Gesundheitswesen regelmäßig angemahnt werden.

Das Klinikum Lippe und das Ärztenetz Lippe haben gemeinsam ein sektorenübergreifendes Case Management entwickelt und implementiert. Die ursprüngliche Zielgruppe der geriatrischen Patienten wurde inzwischen auf chronisch kranke Erwachsene mit komplexen Versorgungsverläufen erweitert. Mittlerweile sind belastbare Versorgungsstrukturen entstanden, deren Grundlagen in den Jahren 2010 bis 2013 im Rahmen eines Förderprojektes des Landes Nordrhein-Westfalen gelegt wurden. Seit dem Auslaufen der Anschubfinanzierung durch das Land erfolgt die Finanzierung der Strukturen über das Modellprojekt „Optimierung der ärztlichen Versorgung in Pflegeheimen“, das die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) im Jahr 2014 mit allen Krankenkassen im Landesteil aufgelegt hat, und über weitere Versorgungsverträge.

Weiterqualifizierte Gesundheits- und Krankenpflegekräfte sowie medizinische Fachangestellte („Gesundheitshelferinnen“) agieren im „Regionalen Versorgungskonzept Lippe“ als sektorenübergreifende Case Managerinnen und ermöglichen eine reibungslose, individuell angepasste Versorgung der Patienten – unabhängig davon, ob diese im Krankenhaus oder bei ihren Hausarzt beziehungsweise Facharzt behandelt werden.

Von der engen Zusammenarbeit zwischen dem Klinikum Lippe und den rund 130 Ärzten des Ärztenetzes Lippe (sowie der Einbindung weiterer Leistungserbringer) profitieren sowohl die Patienten als auch deren Angehörige: Sie erhalten eine Beratung und Versorgung „aus einer Hand“, Versorgungsbrüche werden vermieden.

Insgesamt trägt die Arbeit der Gesundheitshelferinnen wesentlich dazu bei,

  • die Bedürfnisse chronisch Kranker und älterer Menschen zu identifizieren,
  • zielgerichtete Maßnahmen einzuleiten,
  • eine bessere Versorgungsqualität für die Zielgruppe zu erreichen und
  • im Sinne der Patienten deren eigener Häuslichkeit zu gestalten.

„Die Arbeit unserer Gesundheitshelferinnen hat maßgeblich dazu beigetragen, die stationäre und ambulante Versorgung im praktischen Arbeitsprozess zu verzahnen“, sagt Dr. med. Helmut Middeke, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikums. Dies sei unter den aktuellen Rahmenbedingungen unbedingt erforderlich: „Chronisch Kranke mit komplexen Krankheitsverläufen suchen zwar regelmäßig die Klinik auf, werden die meiste Zeit aber nicht in der Akutklink versorgt, sondern ambulant vom betreuenden Haus- oder Facharzt“.

Ob Patienten für das sektorenübergreifende Case Management in Frage kommen, entscheidet immer der Arzt: Sowohl niedergelassene Ärzte als auch Ärzte aus der Akutklinik melden Patienten für die spezielle Versorgungsform an. Die Gesundheitshelferinnen koordinieren in gemeinsamer Abstimmung mit den zuständigen Medizinern.

Constanze Liebe, Geschäftsführerin des Ärztenetzes sieht in der neuen Form der Patientenbetreuung und -versorgung einen zukunftsweisenden Ansatz, um die Gesundheitsversorgung gerade bei einer immer größeren Zahl hochbetagten Patienten im ländlich geprägten Kreis Lippe auch langfristig auf hohem Niveau zu gewährleisten: „Die ärztlichen Einschreibungen der Patientinnen und Patienten erfolgen mittlerweile sehr zielgerichtet. Der Einsatz der Gesundheitshelferinnen wird von unseren Ärztinnen und Ärzten deutlich als Entlastung wahrgenommen, insbesondere im Rahmen der Versorgung komplex erkrankter Patienten mit Polymedikation und bestehenden bzw.  sich abzeichnenden Funktionseinbußen“.

Die enge Kooperation zwischen der Gesundheitshelferin und dem Klinikum perfektioniert den Nutzen aus Kliniksicht: „Bei Notwendigkeit einer stationären Aufnahme ist die häusliche Situation der Patientinnen und Patienten den Gesundheitshelferinnen exakt bekannt. Dies trägt maßgeblich zu einem zielgerichteten Entlassungsmanagement bei und bedient gleichzeitig die neuen gesetzlichen Vorgaben“, betont Klinikum-Geschäftsführer Dr. Helmut Middeke.

Ärztenetz und Klinikum sind sich darin einig, mit der Gründung der Case Management Gesellschaft auch im rechtlichen Sinne einen verbindlichen richtigen Schritt gegangen zu sein: „Wenn die Bevölkerung in ländlichen Gebieten weiterhin von einer hochwertigen Gesundheitsversorgung profitieren soll, kommen Kliniken und Ärztenetze gar nicht aneinander vorbei“, so die einhellige Meinung von Constanze Liebe und Dr. Helmut Middeke.

Kontakt und Ansprechpartner

RVL-Regionales Versorgungskonzept Lippe – GmbH
Röntgenstr. 18
32756 Detmold

Klinikum Lippe GmbH                                                       Ärztenetz Lippe GmbH
Dr. med. Helmut Middeke                                                 Constanze Liebe
Medizinischer Geschäftsführer                                         Geschäftsführerin
Röntgenstr. 18                                                                      Gildestr. 1
32756 Detmold                                                                     32760 Detmold
Tel: 05231. 72-5005                                                             Tel. 05231. 45825-25
helmut.middeke@klinikum-lippe.de                               liebe@aerztenetz-lippe.de