Medizin ohne Grenzen

45 chinesische Krankenhauschefs informieren sich über Rettungswesen und Krebsbehandlung am Klinikum Lippe

Detmold. Die Kooperation zwischen dem Klinikum Lippe und dem Internationalen Notfallmedizin-Verwaltungsrat in China besteht schon seit einigen Jahren. Ein fester Termin im Jahr ist der Besuch einer Delegation chinesischer Krankenhauschefs, die sich im Klinikum Lippe über das deutsche Gesundheitssystem und das Krankenhausmanagement informieren. In der vergangenen Woche lernten die 45 Klinikchefs aus Fernost außerdem Grundlegendes über die Unfallversorgung und die Krebsbehandlung am Klinikum Lippe.

Für Dr. Helmut Middeke, Medizinischer Geschäftsführer des Klinikum Lippe, ist der Besuch der Chinesen jedes Mal eine Bereicherung, nicht nur in kultureller Hinsicht: „China scheint gerade im Baubereich und in der Prozessoptimierung sehr viel weiter zu sein als wir“, meint er. „Wir sind auch als Geschäftsführung sehr an dem Erfahrungsaustausch mit den chinesischen Kollegen interessiert. Außerdem würden wir gerne eine feste Partnerschaft zu einem Klinikum dort aufbauen.“ Damit stieß er bei den chinesischen Freunden auf offene Ohren. Sie sprachen eine Einladung für einen Gegenbesuch aus.

Prof. Dr. Cyrus Klostermann, Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Lippe, war bereits im vergangenen Jahr in China, um sich mehrere Krankenhäuser anzuschauen. Er sieht die lippisch-chinesische Kooperation als strategisch wichtig für das Klinikum Lippe an. „Gerade im Bereich IT im Krankenhausalltag können wir eine Menge von den Chinesen lernen“, resümiert er. „Die meisten Krankenhäuser haben dort eine eigene App, mit der die Patienten Termine vereinbaren können.“ Außerdem habe ihn die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit der chinesischen Kollegen beeindruckt. Den 45 Klinikchefs aus China gab er in einem informativen Vortrag Wissenswertes über die Entwicklung der Unfallchirurgie und das Rettungswesen in Deutschland mit auf den Weg.

Dr. Alfons Gunnemann, Chefarzt der Urologie am Klinikum Lippe, war selbst bereits zu Gast bei den chinesischen Kooperationspartnern. Nun informierte er sie über die zertifizierte Behandlung von Prostatakrebs am Klinikum Lippe, das als eines von weltweit 29 Prostatazentren an der PCO-Studie zur Patientenzufriedenheit teilnimmt. Für die meisten Fragen und Diskussionen auf chinesischer Seite sorgte indes die Darstellung von Dr. Middeke zur Medizinerkarriere in Deutschland. Wie viel ein deutscher Arzt verdient und wie Teams und Hierarchien aufgebaut sind, interessierte die Gäste brennend.

Im Anschluss führte Dr. Middeke die chinesischen Gäste durch Notfallaufnahme und Teile des Klinikums. Chen Ran, Direktorin des Internationalen Notfallmedizin-Verwaltungsrates in China, bedankte sich für die Eindrücke und resümierte: „Die Kooperation zwischen Lippe und China ist schon gut ausgebaut. Schön, dass wir jetzt auch auf Verwaltungsebene kooperieren.“

Freuen sich auf die weitere lippisch-chinesische Kooperation (vorne v.l.): Dr. Alfons Gunnemann, Dr. Helmut Middeke, Chen Ran, Prof. Dr. Masoud Mirzaie und Prof. Dr. Cyrus Klostermann