Deutsche Krebsgesellschaft zertifiziert Prostatazentrum am Klinikum Lippe

In der größten urologischen Klinik in OWL können die Patienten außerdem an
Studien teilnehmen

Detmold. Für Günter Bläsing (59) kam die Diagnose Prostatakrebs nicht überraschend: Weil sein Vater die Krankheit bereits durchgemacht hatte, ging auch er regelmäßig zur Vorsorge. Im vergangenen Herbst wurde bei ihm ein lokal begrenztes Prostatakarzinom diagnostiziert. Die Operation am Prostatazentrum des Klinikum Lippe folgte im Januar, mittlerweile arbeitet Bläsing wieder in seinem Job in der Verkehrsüberwachung. Sehr bewusst hat Bläsing sich für das Klinikum Lippe entschieden, denn das Prostatazentrum ist seit September 2016 zertifiziert.
Nach dem Brustzentrum und dem Viszeralonkologischen Zentrum hat das Klinikum Lippe nun also auch für das Prostatazentrum das begehrte Siegel der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) erhalten und liegt damit in der Behandlung von Krebspatienten weit vorn. Die Vorteile für den Patienten liegen auf der Hand: Nach neuesten Standards und den strengen Leitlinien der DKG erarbeiten die Ärzte aller beteiligten Fachrichtungen in der Tumorkonferenz Behandlungsempfehlungen für den Patienten. Der kann dann in Ruhe entscheiden, welche Behandlung zu ihm passt.

„Wichtig für die Patienten ist, dass sie sich da behandeln lassen, wo Erfahrung und Expertise mit einer hohen Zahl an Operationen zusammenkommen“, erklärt Dr. Alfons Gunnemann, Leiter des Prostatazentrums und Chefarzt der Urologie am Klinikum Lippe. Mit insgesamt über 5.000 Operationen pro Jahr ist die Urologische Klinik in Detmold die größte in Ostwestfalen-Lippe. Das Prostatazentrum zählt bundesweit zu den „high volume“-Zentren. Das gilt auch für jeden einzelnen Operateur. Der Vorteil: Die Ärzte bleiben immer am Ball und absolvieren konsequent bestimmte Schulungen und Fortbildungen. Die Deutsche Krebsgesellschaft prüft dies regelmäßig. Der Koordinator des Zentrums, Oberarzt, Dr. Heinrich Hanisch, ist selbst ausgebildeter Qualitätsmanager und Auditor.

Neben den Vorteilen der Zertifizierung profitieren Patienten wie Günter Bläsing am Klinikum Lippe auch von der Teilnahme an der PCO-Studie (PCO=Prostate Cancer Outcome), die von der Deutschen Krebsgesellschaft gefördert wird. In dieser Studie wird erstmalig die Lebensqualität von Patienten mit Prostatakarzinom mit einem weltweit einheitlichen Fragebogen gemessen. Auch Günter Bläsing nimmt daran teil. Die Studie soll dazu beitragen, die physische und psychische Gesundheit von Männern, die wegen eines lokalen Prostatakarzinoms behandelt werden, zu verbessern. In diesem Projekt sollen in Kliniken aus einer Vielzahl von Ländern systematisch Daten zum lokal begrenzten Prostatakarzinom und dessen Behandlung gemessen und (anonym) verglichen werden.

„Am Klinikum Lippe ermöglichen wir jedem Patienten mit einem auf die Prostata begrenzten Tumor, an der Studie teilzunehmen“, erläutert Dr. Heinrich Hanisch. Und dazu ermuntert er ausdrücklich, denn: „Studienteilnehmer haben ein besseres Langzeitergebnis, weil sie von der Studienzentrale angeschrieben und somit doppelt an ihre Nachsorge erinnert werden.“ Die Ärzte selbst erhoffen sich einen Kenntnisgewinn, welche Therapie für welche Tumorausdehnung am besten ist. „Außerdem scheuen wir den Vergleich mit anderen Zentren nicht“, meint Hanisch. „Wir möchten wissen, wie unsere Patienten zum Beispiel in Sachen Potenz und Kontinenz nach einer Behandlung dastehen. Das ist sehr wichtig zu wissen.“
Für Günter Bläsing als Patient ist die Studie kein großer Aufwand: Vor und nach der OP musste er einen Fragebogen ausfüllen, in Zukunft einmal im Jahr. „Vielleicht bringt es mir oder künftigen Patienten ja was“, meint er.
Auch Patienten mit wenigen Knochenmetastasen können im Rahmen einer internationalen Studie noch erfolgreich operiert werden.