12. Mai – Internationaler Tag der Pflege

Herausforderungen wie zu Zeiten von Florence Nightingale − Gesundheitsholding Lippe findet Lösungen

Detmold. Seit 50 Jahren findet in Deutschland am 12. Mai der „Internationale Tag der Pflege“ statt. Das Datum geht auf den Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale zurück. Sie hatte sich im Krimkrieg um die Verwundeten gekümmert und anschließend eine einheitliche Ausbildung der Krankenschwestern in Großbritannien eingeführt. Ganz so viel Pionierarbeit wie zu Lebzeiten von Nightingale im 19. Jahrhundert ist heute nicht mehr nötig. Aber auch jetzt steht die Kranken- und Altenpflege vor großen Herausforderungen, die den Akteuren der Gesundheitsholding Lippe viel Innovationskraft abverlangen.

Zum Beispiel von Dorothea Ruhe: Sie leitet seit drei Jahren die vier Senioreneinrichtungen des Kreises Lippe und hat den Pflegeberuf selbst von der Pike auf gelernt. „Ich bin sozusagen Krankenschwester in dritter Generation“, verrät sie mit einem Schmunzeln. „Meine Mutter und Großmutter haben im selben Beruf gearbeitet.“ Während ihre Großmutter noch im Schwesternwohnheim lebte und sieben Tage die Woche erreichbar sein musste, kann Dorothea Ruhe ihren Angestellten heute wesentlich bessere Arbeitsbedingungen bieten. Sie selbst hat sich zur Sozialbetriebswirtin und Qualitätsmanagerin fortgebildet und versucht stets, den Änderungen im Gesundheitssystem mit Ideen zu begegnen.

„Die größte Herausforderung ist für mich, die Menschen mitzunehmen“, erklärt sie. „Ich meine damit die Mitarbeiter, die zu Pflegenden und die Angehörigen.“ Längst bedeute Pflege mehr als „nur“ pflegen. „Der Beruf ist heutzutage hochprofessionalisiert“, erläutert Ruhe. „Die Pflegekräfte brauchen mehr theoretische und juristische Hintergründe. Und auch die Dokumentation hat einen immer höheren Stellenwert.“ Wichtig sei es, trotzdem immer mit dem Herzen bei den Menschen zu sein. Die Pflegeversicherung sei auch nach dem im Januar in Kraft getretenen Pflegestärkungsgesetz 2 immer nur eine „Teilkaskoversicherung“. Das bedeutet: Eine Pflegekraft wird nicht für jeden Bewohner eine Stunde Zeit zum Plaudern haben. Hier setzt Ruhe unter anderem auf die Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen.

Dorothea Ruhe, Leiterin der Kreissenioreneinrichtungen, sieht die Pflege auch in der heutigen Zeit vor großen Herausforderungen.

Ein gutes Netzwerk scheint das zu sein, worauf es ankommt. Denn die kürzeren Liegezeiten in Krankenhäusern und das Credo des Gesetzgebers „ambulant vor stationär“ machen sowohl Kranken- als auch Altenpflege zu schaffen. Längst sind daher in Lippe Modelle mit Vorbildcharakter für andere Regionen entstanden, wie das der „Gesundheitshelferinnen“. Das sind Krankenschwestern mit Zusatzqualifikation, die älteren Patienten und Angehörigen zur Seite stehen und die Rolle des „Kümmerers“ und Mittlers zwischen beispielsweise Krankenhaus, Niedergelassen Ärzten und Altenheimen übernehmen. Das Klinikum Lippe und das Ärztenetz Lippe sind hier eine Kooperation eingegangen und haben das sogenannte „Regionale Versorgungskonzept Geriatrie“ entwickelt. „Ziel war es, die vielschichtige Versorgung von älteren und chronisch kranken Patienten durch ein gezieltes Fallmanagement zu verbessern“, sagt Dr. Helmut Middeke, Medizinischer Geschäftsführer am Klinikum Lippe. Mittlerweile haben die Akteure die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Gründung einer eigenen Case-Management-Gesellschaft besiegelt.

Auch in den vier Senioreneinrichtungen des Kreises Lippe sind die Gesundheitshelferinnen oft und gerne gesehene Gäste. „Sie stehen im ständigen Austausch mit den Pflegedienstleitungen und erleichtern damit die Pflege für alle Seiten“, erzählt Dorothea Ruhe. Die Kooperation hilft ihr, dem eigenen Anspruch „das Menschliche in der Pflege immer beizubehalten“, ein Stück weit gerecht zu werden. Dazu gehört für sie auch die „Zukunftswerkstatt“, die sie mit allen Mitarbeitern der Kreissenioreneinrichtungen, von der Küchenhilfe bis zu Pflegekraft, regelmäßig veranstaltet. Hier kann jeder seine Ideen einbringen. „Denn wenn die Mitarbeiter zufrieden sind, geben sie das auch an unsere Bewohner weiter“, meint Ruhe. Schließlich haben sie alle ihren Beruf einmal aus der gleichen Motivation heraus gelernt wie Florence Nightingale: Sie wollen kranken und alten Menschen helfen.


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